FamilienbibelFamilienbibel

Familienbibel

Unsere verschollen geglaubte Familienbibel findet nach langen Jahren den Weg zurück an die Mosel.

Es war ein wirklich ehrwürdiger Tag für meine Frau Katja und mich, als Mechthild Lang, geb. Alt, eine Verwandte unserer Familie, nach langen Jahren den Kontakt zu uns suchte. Eines Tages stand sie ¬ für uns völlig überraschend, mit einem etwas abgegriffenen, schweren Buch in der Tür, dessen Seiten bereits vergilbt waren. Sie erklärte uns, es sei unsere Familienbibel, die zwischenzeitlich um die 250 Jahre alt ist.

Mechthild sagte uns, dass dieses Buch zum Haus „Älteste Weinstube“ gehört. Viele unserer Stammgäste wissen vielleicht, dass unser Hotel in der Vergangenheit „Älteste Weinstube“ hieß, da hier ehemals die erste Weinstube in Bernkastel-Kues und eine der ältesten in Deutschland betrieben wurde. Erst vor einigen Jahren haben wir das Hotel zum Themenhotel ernannt. Seitdem heißt es Märchenhotel.

Ich konnte mich erinnern, dass meine Großmutter mir schon immer von einer Familienbibel erzählt hat. Doch wo sie war und ob sie überhaupt noch existierte, das wusste weder sie selbst noch sonst jemand aus der Familie so genau. Und da war sie nun, dieses so lange verschollen geglaubte Buch. Unfassbar!

Geschrieben ist das gute Stück in Altdeutsch und wurde damals traditionell an den ältesten Sohn des Hauses weitergereicht. Doch im Zweiten Weltkrieg ist der einzige Sohn der Familie Klaus Dahm in Stalingrad gefallen. Er hatte übrigens am gleichen Tag Geburtstag wie ich. Von daher heiße ich Klaus-Stefan Krebs – doch das wissen die wenigsten. Mein Rufname ist wohl bemerkt auch nur Stefan.

Klaus Dahm kehrte damals nicht aus dem Krieg heim und so konnte ihm natürlich auch die Bibel nicht überreicht werden. So wurde die Bibel fortan an die älteste Tochter weitergegeben, die diese dann wiederum ihrer ältesten Tochter übergab –in diesem Falle Mechthild Alt. Und diese hat „ Gott sei Dank“, trotz einer langjährigen Familienfehde, die Bibel nach so langer Zeit in ihr Ursprungshaus brachte – unsere „Älteste Weinstube“.

Das Buch ist durch sehr viele Hände gegangen und birgt – neben seinem wesentlichen theologischen Gehalt – viel Geschichte sowie natürlich so einige Geschichten. Da ist zu lesen von Geburt und Tod und den Wechselfällen unserer Vorfahren. Eine besondere historische Bedeutung kommt der Familienbibel durch die handschriftlichen Eintragungen der früheren Besitzer zu. Die erste Eintragung einer Geburt geht zurück auf das Jahr 1761, da wurde Matthias Dahm geboren. Wir gehen davon aus, dass die Familienbibel zu seiner Hochzeit mit Clara Dahm geb. Fritsch im Januar 1793 angelegt wurde. Besonders interessant fanden wir jedoch zwei nummerierte Ablassbriefe aus dem Jahre 1912 und 1914.

Ich muss sagen, dass ich meinen Glauben nicht so praktizieren, wie es sich vielleicht für manch einen gehören mag. Doch diese Bibel hat es geschafft, die Verständigung zwischen Mechthild und unserer Familie wieder in die rechten Bahnen zu lenken. Wir sind seitdem im regen Austausch und erfahren immer wieder Interessantes aus dem Leben unserer Familie.

Die Bibel kommt nun erst einmal zur Restauration in die fachmännischen Hände eines Buchbinders. Danach erhält sie einen würdigen Platz, an dem sie für Sie, liebe Gäste und natürlich die Freunde des Märchenhotels sichtbar ist.


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